Copyright 2019 - Custom text here

Welt

Interview mit Herrn Losch zur Flüchtlingspolitik

Schülermentoren Politik

Die Flüchtlingspolitik wird zurzeit heiß diskutiert, weshalb sie auch das Thema der diesjährigen Mentorentage darstellte. Im Studienhaus Wiesneck wurden wir, die Schülermentoren Politik, von qualifiziertem Personal zu diesem Thema aufgeklärt. Im Rahmen dieser Politiktage ist es unsere Aufgabe, auch Schüler an unserer Schule auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Wir haben in den letzten Monaten einige Lehrer interviewt. Im Folgenden das Interview mit Herr Losch:


Denken Sie, Deutschland hat den großen Flüchtlingszustrom noch im Griff?
- Also mein persönliches Gefühl hier an der Schule ist, dass wir kaum einen Kontakt mit Flüchtlingen und den Problemen haben, sodass ich kaum das Gefühl habe, dass wir „überrannt“ werden. Also ich glaube, dass wir viel bewegen können, viel schaffen können und ich weiß, dass schon viel getan wird, vor allem eben auch von Ehrenamtlichen, die wirklich sehr viel tun und viel leisten für die Flüchtlinge, die Unterbringung und deren weitere Versorgung. Für die Bildung wird auch etwas getan, da ließe sich natürlich noch mehr tun, aber ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass wir vollkommen überlaufen sind und die Aufgaben jetzt so mit den aktuellen Zahlen nicht schaffen könnten. Es wird dauern, es wird Arbeit und Zeit kosten, aber ich habe mit der derzeitigen Zahl von etwa einer Million Flüchtlingen keine Angst.



Also denken Sie auch nicht, dass eine Obergrenze sinnvoll wäre?
- Es ist die Frage, wie die Obergrenze aussieht. Wie sie definiert ist und vor allem nach welchen Maßstäben geschaut wird. Was ist die Grundlage dafür, das Verhältnis zur Einwohnerzahl, zu unseren 82 Mio., wie viel schaffen wir? 10 %? Nicht mehr als 8 Mio? Oder geht es um das Geld, das es kostet? Ist da unser Bruttoinlandsprodukt ein Maßstab? Ich wüsste nicht, was für ein Schlüssel da gut greifen würde und dementsprechend ist das über den Begriff „Obergrenze“ nur schwer zu sagen, der einen ganz stark menschlich abwertenden Charakter hat. Auf der anderen Seite ist  es natürlich wichtig eine Obergrenze herauszufinden, wie wir wirklich mit den Ressourcen, die wir haben, an Raum und Integrationskraft, damit haushalten können. Aber ich sehe es als sehr schwierig an, das zu definieren.

Was halten Sie von  Gesetzen wie dem Dublinverfahren?
- Also für uns ist das Dublinverfahren ja, aus Sicht derer, die sich raushalten wollen, sehr gut, da wir dann kaum oder keine Flüchtlinge hätten, wenn man eben das Betreten des Landes miteinbezieht. Ich finde das natürlich im Rahmen unseres Europas fatal, so ein Gesetz zu konstruieren. Wenn wir das in einem europäischen Rahmen hinbekämen, gesetzliche Regelungen zu verankern, wie mit den Menschen umzugehen ist und auf welche Art und Weise wir Europäer, es ist mir ein ganz wichtiger Begriff ,das zu sagen, das handhaben können, dann ist es richtig und wichtig, gemeinsame Regularien zu finden.

Sollte man die Bundeswehr in den Kriegsgebieten, z.B. in Syrien, gegen den IS einsetzen?
- Was ist denn eure Meinung dazu?
Antonios: Es ist schwierig zu sagen, gegen wen genau man da kämpft, weil dort eben das totale Chaos herrscht. Daher muss Deutschland aufpassen, nicht noch mehr Schaden anzurichten.
- Also da wir letztendlich im Rahmen einer europäischen Lösung uns auch militärisch einbringen müssen in Aufgaben, die für diesen Raum wichtig sind, halte ich es für wichtig, die Bundeswehr zu haben und Einsätze zu beschließen. Aber ich glaube, jetzt speziell einen militärischen Einsatz gegen den IS zu bringen würde scheitern, was ja auch in Afghanistan mit großer Erfahrung gezeigt wurde. Mit Flugzeugen zu arbeiten ist absolut unsinnig und schürt so auch nichts. Und die betroffenen Parteien, die noch dabei sind, wen unterstützt Russland, wen unterstützen die USA, die Türken, was ist unsere Position? Wenn da keine Einheit herrscht und keine Regelung gefunden wird, solange werden die Terroristen auch so noch arbeiten können, da nützt unser Einsatz dann nichts. Wenn er jetzt hilfstechnisch organisiert wäre, um die Bevölkerung, die dort leidet, zu schützen, dann ist das für mich eine ganz andere Perspektive, aber die Aufgaben, die jetzt übernommen werden, sind ja auf der einen Seite militärisch relativ harmlos, ungefährlich, allerdings forcieren sie die ganze Maschinerie und wir machen uns schuldig an dem, was dort gerade geschieht. Und daher finde ich es, aus der Perspektive, mit der militärischen Zielsetzung, nicht richtig.

Denken Sie, die Flüchtlinge könnten zu einer Bereicherung für den deutschen Arbeitsmarkt werden?
- Uneingeschränkt ja. Es ist die Frage, wie sich das mit der Verhältnismäßigkeit entwickeln wird. Also es ist klar, dass Flüchtlinge zu uns kommen, die unseren Fachkräftemangel ausfüllen können, verändern können und mit der Ausbildung, die sie hier, nach dem Spracherwerb, schließlich haben, unbedingt leisten können. Es sind aber natürlich auch Menschen da, die, wie ich aus eigenen Erfahrungen in einem Sprachkurs in Ostfildern miterlebt habe, gar nicht lesen und schreiben können und das wird dann natürlich schwierig, damit umzugehen. Wenn diese elementare Grundlage, wie es das Lesen und Schreiben eben bei uns in Deutschland ist, fehlt, wird es natürlich sehr schwierig. Aber bei denen, die aufgrund ihrer Englischkenntnisse schon jetzt gut mit uns kommunizieren können, können ganz große Schritte passieren und das ist auf jeden Fall ein Nutzen für uns.

Sehen Sie Merkels Willkommenspolitik als negativ oder positiv für Deutschland?
- Hier finde ich die Aussage noch einmal gut und will deutlich machen: Ich bin Europäer. Und ich finde diese Willkommenspolitik wirklich uneingeschränkt gut und ich unterstütze das sehr, dass wir diese Offenheit haben. Es ist eine durchaus menschliche, ethisch und moralisch richtige Form das zu tun, wenn wir überlegen, wie wir mit diesen Staaten bisher umgegangen sind, was wir für Ausnutzer sind, wie wir sie zum Teil auch ausgebeutet haben und in welche schlimmen Situationen die Menschen dort geraten, weil politische Systeme zusammenbrechen und dann dort Terror herrscht. Und dann zu sagen, ihr seid bei uns nicht willkommen, finde ich eigentlich fürchterlich unmenschlich. Wie diese Willkommenskultur umgesetzt wird, da muss man schauen, wie kann das der europäische Raum machen? Wie kann man die Grenzen, und ich finde Grenzen tatsächlich notwendig, denn wir können ja nur über einen abgesteckten Rahmen unsere Kräfte, Ressourcen und so weiter bündeln und können das nicht weltweit öffnen, richtig absprechen? Und die Leute die jetzt hierherkommen, die kommen ja nicht so zum Spaß, sondern haben Familien verloren, schlimmste Reisen hinter sich, vielleicht auch Traumata aus eigenen schlimmen Erfahrungen mitgenommen und möchten jetzt einfach nur in Frieden leben, auch mit der Perspektive, wenn sich da etwas beruhigt, zurückzukehren. Und diesen Menschen muss man die Hand reichen.

Haben Sie darüber nachgedacht, auch Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder am Staufer-Gymnasium zu bilden und wieso ist das bisher noch nicht geschehen?
- Das Ganze steuern die staatlichen Schulämter und da ist das Gymnasium bisher noch nicht drin, aber das Regierungspräsidium, das ist unsere Schulaufsicht, hat dafür schon Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Es gibt einen relativ schnöden Grund, der ganz gemein klingt, nämlich dass gymnasiale Lehrer teurer sind als Lehrer der Grund-, Real- oder Werkrealschule. Es klingt gemein, das so zu sagen, aber man muss durchaus abwägen, was für Kosten damit verbunden sind. Wir beteiligen uns ja indirekt an der Sache, wir haben einen Raum der Realschule übergeben, der bisher eines unserer Klassenzimmer war und der jetzt von der Realschule genutzt werden kann. Die dafür zuständige Lehrerin, eine sehr gute, motivierte und fähige Kollegin, die das absolut großartig macht, kann diesen Raum dann für die zugesagten Stunden nutzen.

Am Interview beteiligte Schüler: Hannah R. ; Emma P. ; Antonios C.
Weitere an Interviews beteiligte Schülermentoren: Annika J. ; Tom-David K. ; Simon B. ; Marina G.

 
Mehr Infos zu den Schülermentoren Politik (und wie man einer werden kann):

http://www.stg.wn.schule-bw.de/joomla/index.php/schulleben/f%C3%A4cherbezogenes/gemeinschaftskunde/ausbildung-zum-sch%C3%BClermentor-politik

 

f t g m