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Welt

Interviews mit Asylbewerber

Nach wie vor sind sie das große Thema in den Nachrichten: Flüchtlinge, die in riesengroßen Massen nach Deutschland strömten und strömen, und bisher ist Deutschland auch eins der wenigen Länder, die überhaupt Flüchtlinge aufnehmen. Wir Schüler sind teilweise schon ziemlich genervt, weil das Thema in gefühlt jedem Fach auftaucht. Wir haben uns also mal selbst mit Flüchtlingen in der Hangweide in Rommelshausen getroffen, um uns ein reales Bild der Situation zu machen, unbeeinflusst von der Schule.

Diese beiden Männer wohnen in sehr beengten Verhältnissen in der Hangweide in Rommelshausen. Sie kommen zwar nicht aus einem typischen Krisengebiet wie Syrien, aber sie haben ähnliche Probleme und sind auch noch Fremde. Sie gehören zu den Männern, die die dort angebotenen Deutschkurse besuchen. Einen kleinen Teil des Interviews konnten wir sogar auf Deutsch mit ihnen machen, aber der Großteil war auf Englisch. Damit es aber für alle verständlich ist, haben wir das komplette Interview übersetzt. Wir hoffen, dass wir alles richtig verstanden haben. Doch im Großen und Ganzen könnt ihr euch hier mal ein reales Bild von den Flüchtlingen machen.

1. Interview:

Name: Mike
Alter: 18 Jahre
Herkunftsland: Gambia
Religion: Islam


Hast du noch Familienmitglieder in Gambia?

Ja, ich habe sechs Geschwister, drei Brüder, drei Schwestern. Drei Geschwister sind in Gambia, einer in Italien und ein Bruder und eine Schwester sind in Hamburg. Mein Vater ist gestorben, aber meine Mutter lebt noch in Gambia. Wir telefonieren oft.

 
Bist du in Gambia zur Schule gegangen?
Ja, ich war in der Schule, bevor ich hierher gekommen bin.

Hattest du auch einen Beruf?
Nein, das Einzige, was ich außerhalb von der Schule gemacht habe, war Fußball. Ich liebe Fußball!

Würdest du uns erzählen, warum du hierher gekommen bist?
Das ist eine lange Geschichte. Ich werde euch ein bisschen davon erzählen. Ich hatte in Gambia Probleme mit ein paar Leuten, deswegen bin ich hier. Als dann mein Vater gestorben ist, waren wir bei meiner Mutter, dann hatten wir noch mehr Probleme. Und dann habe ich versucht, das Land zu verlassen.

Und wie bist du gereist?
Die Reise hat fünf Monate gedauert.

Seit wann bist du in Rommelshausen?
Ich bin seit drei Monaten hier.

Gefällt es dir hier?
Ja, sehr. Ich spiele auch hier Fußball. Das würde ich auch gerne als Beruf machen.

Versteht ihr euch gut untereinander?
Ja, seit ich in Deutschland bin, danke ich Gott für die netten Menschen hier, die mir helfen.

Hast du manchmal Angst, dass du zurück musst?
Also wenn ich die Möglichkeit hätte, zurückzugehen und auch keine Probleme mehr, dann würde ich zurückgehen. Aber eigentlich bleibe ich auch gerne in Deutschland.

Was würdest du tun, wenn du bleiben darfst?
Ich möchte lernen und Fußball spielen, vielleicht in einem Verein, wenn ich das schaffe. Wenn nicht, werde ich weiter Deutsch lernen, weil man ja hier nicht arbeiten, sich verständigen oder einkaufen kann, ohne Deutsch zu können.

Fühlst du dich auch von den Deutschen aufgenommen?
Ja, ich finde, es gibt hier nette Leute, aber genauso auch unfreundliche Leute. Das ist aber überall so, auch in meiner Heimat. Überall triffst du auf nette und unfreundliche Leute.

Was magst du an Deutschland am meisten?
Ich mag Deutschland schon seit meiner Kindheit, seit ich klein war, so mit fünf oder sechs Jahren. Wenn nach Gambia Touristen aus Deutschland kamen, habe ich solche Ausdrücke wie „Alles klar?“ gelernt, ich habe gehofft, dass mir das irgendwann einmal hilft.

Was magst du mehr, Deutschland oder Gambia?
Am meisten mag ich mein Zuhause, es gibt keinen besseren Ort als mein Zuhause.


2. Interview:

Name: Junior Eyango
Alter: 34
Herkunftsland: Kamerun
Religion: Christentum

Hast du in Kamerun Familie?
Ja, wir sind fünf Kinder, Brüder und Schwestern. Sie sind alle noch in Kamerun.

Bist du dort zur Schule gegangen?
Ja, ich war auch auf der Universität.

Hattest du einen Beruf?
Ja, wir haben gedruckt, zum Beispiel Bücher, und wir haben sie auch designt.

Würdest du uns erzählen, warum du aus Kamerun weggegangen bist?
Ich bin hier, weil ich in Kamerun Probleme hatte.

Wie bist du gereist?
Die Reise hat zwei Monate gedauert.

Gefällt es dir hier in Deutschland?
Ja. Deutschland ist ein schönes Land.

Und was magst du am meisten an Deutschland?
Die deutschen Leute.

Was machst du noch außer dem Sprachkurs?
Ich mag Musik sehr gerne und spiele auch selber Gitarre. Ich mag eigentlich jede Musik. 

Wie versteht ihr euch untereinander?
Wir haben eine gute Beziehung.

Hast du manchmal Angst, dass du zurück nach Kamerun musst?
Ich weiß es nicht so genau. Ich bin hier, weil ich Probleme in Kamerun habe, aber eigentlich mag ich es natürlich schon sehr gerne.

Das heißt, du magst Kamerun mehr als Deutschland?
Ich weiß es nicht. Ich mag beide Länder sehr gerne. Ich mag auch Fußball sehr gerne, ich mag deutschen Fußball seit 1990, die Weltmeisterschaft in Italien. Ich war noch ein Kind und mochte Deutschland schon. Und ich habe Deutsch auch schon in der Schule gelernt.

Und wie findest du die deutschen Leute?
Ich finde, dass deutsche Leute sehr nett sind.

Was würdest du machen, wenn du nicht hierbleiben dürftest?
Das fände ich sehr schade. Ich liebe Deutschland. Jetzt wo ich hier bin, gefällt es mir sehr gut.

f t g m