Schülerfirma

„Bilanz“ einer Schülerfirma



Diese und viele weitere Fragen rund um ein Unternehmen und seine Produktion werden eigentlich nur im Hauptfach „Wirtschaft“ in der Oberstufe unterrichtet und selbst da wird das ganze Thema hauptsächlich in trockener Theorie uns Schülern nahegebracht. Da kommt die seit kurzem eingeführte, jährliche „Schülerfirma“ gerade recht, um vor allem auch denjenigen Schülern, die keine Wirtschaft als Fach haben, auf praktische Art und Weise beizubringen, wie ein Unternehmen erfolgreich wirtschaften kann.

Während die Schülerfirma 2013/2014 noch durch ein Seifenkistenrennen, im Dienstleistungsbereich wirtschaftete (dem sogenannten „tertiären Sektor“), beschäftigte sie sich im Schuljahr 2015/2016 mit dem älteren, produzierenden Gewerbe („sekundärer Sektor“). Beauftragt mit der Aufgabe die alten, mittlerweile unmodisch gewordenen Schul-T-Shirts durch eine neue Kollektion zu ersetzen, machten sich 35 Schülerinnen und Schüler aus der J1 und der 10. Klasse unter Anleitung der Lehrkräfte Herr Weiske, welcher den diesjährigen Wirtschaftskurs leitet, Herr Grützemacher, Gemeinschaftskunde und Geschichtslehrer und Herr Schmid, Leiter des Kunstkurses (4-Stündig), auf den steinigen Weg einer Unternehmensgründung. Unterstützung bekam die Schülerfirma für dieses aufwendige Projekt von den bereits erwähnten Wirtschafts- und Kunstkursen.

Zu Beginn des Projekts stand erstmal die Einteilung der Teilnehmer in die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche auf den Plan, wie es sich für jedes Unternehmen gehört. Dabei durften wir Schüler uns selbst einen Bereich auswählen. Zur Auswahl standen: Finanzen, Personal, Geschäftsführung und Marketing. Leider stellte sich am Ende des ersten Halbjahres schon heraus, dass diese Einteilung, welche vor allem zur Verteilung der Verantwortung und der vielen Aufgaben diente, sich durch ein mangelndes Engagement einiger Teilnehmer als problematisch erwies, da diese sich gar nicht wirklich für das Projekt an sich interessierten, sondern lediglich für das Abschlusszertifikat, dass am Ende des Schuljahres winkte.

Neben dieser Schwierigkeit der Einteilung in die verschiedenen Bereiche stand daneben das Design der zukünftigen Schul-T-Shirts zunächst im Fokus. Dazu bekamen wir die Unterstützung einiger Kunstkurs-Teilnehmer, da wir das Design selber entwerfen und zeichnen wollten. Doch trotz der nun vorhandenen künstlerischen Begabung, fehlte uns trotzdem noch das nötige Wissen um ein optisch ansprechendes Design für unsere T-Shirts zu entwerfen.
Dafür organisierten die leitenden Lehrer einen Workshop für uns an der Schule, welcher von einem professionellen Grafikdesigner geführt wurde. Wirtschaftlich gesehen waren hier aber bereits Kosten aufgelaufen, die wir durch einen großzügig gewährten Kredit der Schule zunächst einmal vorfinanziert bekamen,  in der Folge uns aber verpflichtet sahen, durch unser Produkt diesen so schnell wie möglich wieder zurückzuzahlen.  

In Workshop selbst lernten wir, was ein gutes Design ausmacht, erhielten einen kurzen Rückblick in die Geschichte des Grafikdesigns, zeichneten mithilfe des Grafikdesigners einige mögliche Designvorschläge und druckten am Ende sogar zwei davon auf T-Shirts. Der gesamte Workshop dauerte zwei Tage à 4 Stunden und brachte uns am Ende 6 mögliche Designvorschläge. Wir hatten uns bereits innerhalb des Workshops mit Beratung des Designers darauf geeinigt, lediglich schwarz auf weiß und weiß auf schwarz zu drucken, wobei wir auch nur 2 der 6 Motive drucken wollten. Welche Motive wir letztendlich drucken, wurde ganz demokratisch durch eine Onlineumfrage entschieden, bei der jeder Teilnehmer der Schülerfirma seine Stimme abgab. Somit erfolgte die Auswahl der Designs relativ unproblematisch und schnell.

Anders sah es da bei der Wahl der Druckerei und des Textillieferanten für unsere T-Shirts aus. Letztendlich kamen aber nach längerer Diskussion zwei  Druckereien, die unsere Designs auf T-Shirts drucken sollten, in die engere Wahl. Nach einer erneuten Diskussionsrunde, bei der jeweils einige Befürworter ihre Argumente für ihre jeweilige favorisierte Druckerei vorlegten, gab es wieder eine Abstimmung, bei der wir uns letztlich für die Fair-Trade- Druckerei entschieden haben.

Nachdem wir nun sowohl Motiv, als auch Druckerei bestimmt haben einigten wir uns relativ schnell auf einen Verkaufspreis und machten uns nach einer kurzen Einteilung auf, um durch die Klassen unserer Schule zu laufen und Werbung für die T-Shirts zu machen bzw. diese auf dem Sommerfest am Ende des Schuljahres zu präsentieren.
Nachdem ausreichend Bestellungen eingegangen waren, orderten wir die ersten T-Shirts bei der Druckerei.  Insgesamt konnten wir etwas mehr als 200 T-Shirts verkaufen, was sicherlich bei einer Schule mit annähernd 1.000 Schülerinnen und Schülern durchaus noch ausbaubar gewesen wäre.

Als persönliche Bilanz der Teilnahme an der Schülerfirma im Schuljahr 2014/2015 bleibt mir abschließend zu sagen, dass zum einen die Kollektion der Schul-T-Shirt erneuert wurde, wodurch sich nicht nur die Schule seitdem in einem zeitgemäßeren Design darstellen kann, sondern sich auch mein Kleiderschrank füllte; zum anderen erhielten die Teilnehmer einen tieferen Einblick in die ganzen unternehmenswichtigen Prozesse ausgehend von der Planung über die Herstellung bis zum Verkauf eines Produktes, was letztendlich in einem individuell gestalteten Zertifikat über die Teilnahme an der Schülerfirma mündete, welches sich bei späteren Bewerbungen für den ein oder anderen sicherlich als ziemlich nützlich erweisen kann.

(T:  Ioannis Amanios (J2))