„Menschheit… wenn du zu blöd zum Leben bist!“

Ein Kooperationsprojekt des Literaturkurses und des Literatur- und Theaterkurses

Ein ungewöhnliches Stück an ungewöhnlichen Spielorten in einer ungewöhnlichen Kombination aus Textvortrag und Theater konnte eine exklusive Schar von geladenen Zuschauern am 26. Juni 2018 am Staufer-Gymnasium erleben.

PROLOG

Die Gäste sammeln sich allmählich und werden Punkt acht Uhr auf unsanfte Weise vom Wachpersonal des Theaterkurses zusammengetrieben. Die erwartungsvolle Zuschauermenge sammelt sich daraufhin um ein Mikrofon, an das nacheinander drei Schülerinnen aus dem Literaturkurs treten und mit selbst geschriebenen Texten auf den Modus des Abends einstimmen: Eine Collage aus gesellschaftskritischen Themen und avantgardistischen Stimmungsbildern wird das werden und man ist gespannt, was folgt.

EPILOG

„Und immer… und immer… und immer…!“ Die Schauspieler*innen verlassen die Boxen im Fahrradkeller, ihr Sprechchor hallt von den Wänden wider, das Licht geht aus und zurück bleiben die Zuschauer auf ihren unbequemen Plätzen, zögernd, aber dann doch entschlossen setzt Applaus ein.

DAZWISCHEN

Ein irritierendes und düsteres Stück ist hier in der Kooperation der beiden Oberstufenkurse unter der Leitung von A. Piehler und T. Stein entstanden: eine Dystopie des Lebens in nicht allzu ferner Zukunft, wenn Wohnraum knapper zu werden droht, Kommunikation weiter verrohen oder durch technische Ersatzleistungen noch unpersönlicher wird, wenn einen Baum zu fällen einem Staatsverbrechen gleichkommt oder von der Vergangenheit zu erzählen Verrat am System bedeutet. Diese Zukunftsvision wurde von den Teilnehmer*innen des diesjährigen Literaturkurses in kurzen Szenen entworfen, um – so suggeriert es der Titel der Szenencollage – der Menschheit, den Zuschauern und sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Es scheint dabei nur ins Extreme gesteigert zu werden, was bereits schon in manchen Teilen der Gesellschaft oder in Gesellschaften in anderen Teilen dieser Welt Realität ist.

Hinter diesem Entwurf der Szenen, die von den Schüler*innen des Theaterkurses weiterentwickelt wurden und dabei ein ganz neues, eigenes und noch einmal deutlicheres Gepräge bekommen haben, steht offenbar ein Bewusstsein für die Gefährdung unseres Zusammenlebens und zugleich für die ganz persönliche Verantwortung, dieses zu gestalten, um es in seiner Menschlichkeit zu bewahren.

Die Schauspieler*innen spielen dabei überzeugend ihre Rollen: Ihnen sind Verärgerung, Abgebrühtheit, Trauer und innere Zerrissenheit in die Gesichter geschrieben und in die Tonlage gebannt. Ätzende Stumpfsinnigkeit wird genauso authentisch verkörpert wie panische Angst. Negative Gefühle überwiegen, ein Hoffnungsschimmer bleibt eigentlich wenn, dann nur in den Texten, die wie Kommentare am Beginn und Ende zu hören sind.

So bleibt es den Zuschauern überlassen, sich eine hoffnungsvolle Perspektive zu entwerfen, um auch im wirklichen Leben einen Kontrapunkt zu setzen.

(T: Pi und B: Pi, Gs)

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