Selbstdarstellung und Verwandlung

Vernissage des Kunstprofil-Neigungsfaches am 07. Juni 2018

Hände, Gesichter und Gesichter mit Händen in satten Ölfarben auf Leinwand zeigen sich dem Betrachter, der aufmerksam den Treppenaufgang im Neubau unseres Schulhauses nimmt. Die Kunstwerke leuchten umso mehr, da in den Pfingstferien die Wände frisch – frisch grün – gestrichen wurden. Jenseits aller Geschmacksfragen und Urteile, von „giftig“ bis zu „belebend“, bietet dieser neue Anstrich doch unzweifelhaft den Kunstwerken unserer diesjährigen Abiturient*innen einen würdigen Hintergrund, der die Kraft der Bilder verstärkt.

So wurde die Vernissage dieses Jahr auch nicht wie sonst üblich im Kameralamt der Stadt Waiblingen, sondern im Schulhaus selbst eröffnet, nach gewohnter Manier mit ein paar einleitenden Worten von Schulleiter Herrn Losch, zwei Kurssprecherinnen und dem Lehrer des Kurses, Herrn Zimmer.



Der Dreischritt aus „Hineingehen“, „Betrachten“ und „Eintauchen“, zu dem Herr Losch in seiner Ansprache einlud, wurde somit ergänzt durch ein Begreifen der Entstehungszusammenhänge der Ausstellungsobjekte.



Herr Zimmer sprach von einer kernigen „Trekkingtour“ durch eine Reihe an kunsttheoretischen Einheiten, die durch das praktische Arbeiten ergänzt wurden: Am Anfang stand die Beschäftigung mit Rembrandt van Rijn und der Versuch, die Poesie seines Schaffens zu verstehen. Daran knüpften sich Schädelstudien, die als Zeichnungen im Durchgang zwischen Neu- und Altbau zu sehen sind. Aus der Beschäftigung mit dem Architekten Peter Zumtor gingen Modelle von Rundbauten mit einer Kuppel hervor, wobei diese Kuppel funktional integriert werden sollte.

Highlights der eineinhalbjährigen Kurszeit waren ein Ausflug nach Köln und die Studienfahrt nach Rotenfels, wo die Schüler*innen zur Aktmalerei herausgefordert wurden. Die Ergebnisse dieser äußerst konzentrierten und exakten Arbeit, durch die sich die Künstler*innen von 2018 in eine Tradition aus der Antike einfügen und auch anatomische Kenntnisse besitzen müssen, lassen sich in Ton modelliert oder als Zeichnungen bewundern.

Immer wieder zeigen sich auf den Bildern Gesichter einer Schülerin oder eines Schülers, manchmal auch erst beim zweiten Hinsehen, wenn die Selbstdarstellung zur Verwandlung geworden ist. Da wird der Blick auf sich selbst kritisch oder befremdlich, da wächst aus einem Hund in einem Dreischritt ein Mensch oder ein Frauenkörper zeigt Front- und Rückseite zugleich und spielt mit der Irritation des Betrachters. Dieser kann ansonsten nur staunen angesichts von so viel Können, auch wenn Kunst angeblich nicht davon herkommt.

Hier zeigt sich, was die anwesenden Schüler*innen auch ausstrahlen: Eine gewachsene Identifikation mit dem eigenen künstlerischen Schaffen, mit Formen des Ausdrucks, eben mit Kunst! Und das ist auch das Wertvolle daran: Dass der Blick auf Menschen und Dinge sich zu verändern scheint und die Künstlerin und der Künstler stets zu fragen bereit ist, was dahinter steckt und was an Unsichtbarem sichtbar werden kann, was sich verwandeln darf. Ein solcher Blick auf Welt und Mensch schafft Freiheit und Offenheit!

Kursleiter Herr Zimmer schließt mit einem großen Dank und einem nicht weniger großen Bedauern: Obwohl die Zeit so intensiv genutzt worden sei, sei sie am Ende doch zu kurz gewesen. Er wünsche den Schüler*innen, dass sie die begonnene Reise nun selbstständig und selbsttätig fortführten und immer etwas von der Kunst in ihrem Herzen behielten. Und wer nicht zu sehr an seinen eigenen Werken hänge, könne ja Kaufinteressierten ein gutes Angebot machen. Da hat er wohl Recht: Wer weiß denn, wann Objekte mit dem Gepräge der „Stauferschen Schule“ zu horrenden Preisen auf dem Kunstmarkt landen!?

(Text: Annemarie Piehler, Fotos: Gs)




Weitere Eindrücke von der Aussstellung und Vernissage: