Wahre Helden

Ein kooperatives Theaterprojekt zwischen Staufer-Gymnasium und Comenius-Schule

Zu Beginn ist die Bühne leer. Es betritt sie ein schmächtiger Junge mit Namen Nils, der sich kurz vorstellt: Er freue sich auf das Ferienlager und hoffe, hier Freunde zu finden. Nach und nach kommen weitere Kinder, Jungen und Mädchen, dazu, treten vor das Publikum, nennen Namen und Motivation, an diesem Ferienlager teilzunehmen.  Schließlich entsteht eine Runde wie ums Lagerfeuer, das auch später tatsächlich auf einem kleinen Bildschirm erglimmt.
Die Kinder fangen an, sich aus ihrem Leben Geschichten anzuvertrauen: Alle haben sie schon mindestens eine ganz schön blöde Situation erlebt, aus der sie gefühlt als „Looser“ hervorgegangen sind.
Sie teilen die Erfahrung von Ungerechtigkeit, Streit und Hänseleien in und außerhalb der Familie. Darum sind sie sich einig, dass es gar nicht so schlecht ist, einmal für gewisse Zeit zum gewohnten Umfeld, den lästigen Geschwistern und den nervigen Eltern Abstand zu bekommen. Hier, so die für einen Augenblick aufkeimende Hoffnung, könne alles anders werden.
Wie die Kinder da so sitzen und gemeinsam Trübsal blasen, wagt einer – es ist Nils – eine provokante Frage: „Warum können wir nicht mal die Chefs sein, warum sind immer wir die Idioten und nie die Bestimmer?“
Wie um zu bestätigen, dass das eigentlich gar nicht so ist, packen daraufhin die Kinder der Reihe nach ihre persönlichen Mutgeschichten aus, sei es von der Courage gegenüber dominanten Jugendlichen auf dem Spielplatz oder vom beherzten Eingreifen in einer Situation, in der einer offensichtlich Hilfe benötigte. Der Titel des Stücks deutet auf das neu gewonnene Selbstbewusstsein der Kinder: „Wahre Helden!“ Nicht Robin Hood, nicht Mutter Teresa, nicht Luke Skywalker, sondern eben schlicht kleine Alltagshelden.
Dieses neu gewonnene Selbstverständnis drückt sich besonders anschaulich darin aus, dass gegen Ende des Stücks die zuvor brav um die Hälse geknoteten Pfadfindertücher nun nach und nach aufgeknotet und à la Superheld um die Schultern geschwungen werden. Dabei bekennt sich jede/r der Schauspieler*innen zu einem Wagnis der besonderen Art, das einmal mehr Mut verlangte.

Man mag sich als Zuschauer*in fragen, warum so oft ein Sprung vom Drei- oder Fünfmeterbrett für diese Kinder für die Mutprobe schlechthin steht, doch leuchtet es auch wieder schnell ein. Wird doch selten so körperlich und verdichtet erfahren, was es bedeutet, einen mutigen Schritt zu tun, die Angst hinter sich zu lassen, sich selbst etwas zuzutrauen und dabei darauf zu vertrauen, dass es gut ausgeht, auch wenn man keine Garantie dafür hat, dass sich die Begegnung mit dem Wasser am Ende gut anfühlt.
Helden – das sind in diesem Fall die 20 Sechstklässler*innen des Staufer-Gymnasiums und der Comenius-Schule,  die in einem kooperativen Theaterprojekt unter der Leitung von Frau Gawehn und Frau Traballano ein Jahr lang ihre eigenen Mutgeschichten geschrieben, daraus ein Stück entworfen und es einstudiert haben.
Dazu gehörte auch ein gemeinsames Wochenende auf Burg Rotenfels, wo die Gruppe intensiv probte und als Team weiter zusammenwachsen konnte. Wie dieses Stück nun zur Aufführung kommt, ist den Schauspielern ihre Begeisterung anzumerken. Sie wirken von der Tatsache überwältigt, endlich im Rampenlicht zu stehen.

Am Ende des Stücks entsteht ein  ausgelassener, fröhlicher Tanz auf der Bühne, der die Freude über den bewiesenen Mut, das Lampenfieber zu überwinden, zum Ausdruck bringt. Das Maß an Mut wird dabei für jede/n unterschiedlich gewesen sein. Geschafft haben es alle gemeinsam, die Zuschauer zum Schmunzeln, zur Rührung und zum Applaus zu bewegen, der ihnen schließlich ein stolzes Lächeln ins Gesicht zaubert. Siehe auch Wahre Helden - Boom!
(T: Annemarie Piehler; B: Gs)

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